Über Segendorf

Segendorf ist ein Stadtteil von Neuwied in Rheinland-Pfalz. Bis 1910 war Segendorf eine eigenständige Gemeinde.

Lage

Segendorf liegt nördlich der Innenstadt am rechten Ufer der Wied. Nördlich von Segendorf liegt der Stadtteil Altwied, südöstlich der Stadtteil Niederbieber und südwestlich der Stadtteil Rodenbach. In Segendorf mündet der Reichelbach in die Wied. Segendorf liegt im Naturpark Rhein-Westerwald.

Geschichte

In verschiedenen Urkunden aus dem 13. und 14. Jahrhundert wird der Ort unter „Sehterndorf“, „Sehtindorf“, „Seichtindorf“ und „Sechtendorf“ erwähnt, 1648 wird er erstmals „Segendorf“ genannt.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes datiert vom 30. Januar 1218. Ein Rudeger von Sehterndorf wird als Zeuge in einer Schenkungsurkunde genannt, in der der Graf Friedrich von Isenburg der Abtei Rommersdorf Güter übereignet. In einem Pachtvertrag einer Aleyde, Witwe Sifrids von Gindirsdorf, mit der Abtei Rommersdorf vom 10. Februar 1289 tritt ein Henrich von Seichtindorf, Schultheiß in Wide, als Zeuge auf.

Segendorf gehörte seit dem 14. Jahrhundert zum Kirchspielgericht Bieber (Niederbieber), im 16. Jahrhundert wird hier auch ein wiedisches Hofgericht bezeugt.

Nodhausen

Der Hof Nodhausen wird 1226 in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Theoderich von Wied mit „Hof Noithusen“ erstmals erwähnt. Im Jahr 1635 wird der Hof Nodhausen an den trierischen Schultheißen Lothar Schmitz in Leutesdorf verkauft. Der Hof wurde 1732 von Graf Friedrich Wilhelm zu Wied-Neuwied gekauft. Graf Alexander zu Wied-Neuwied lässt 1742 in Nodhausen einen „Lustpark mit Tiergarten“ und ein „Lustschlösschen“ anlegen. Nodhausen wird 1797 im Ersten Koalitionskrieg zum Teil zerstört. Heute befindet sich an der Stelle ein Restaurant.

Hanhöfe und Monrepos

Die Hanhöfe werden 1417 in einem von Graf Wilhelm von Wied geschlossenen Vertrag mit „Hof uf dem Hane“ genannt. In unmittelbarer Nähe der Hanhöfe lässt 1757 Graf Alexander zu Wied-Neuwied das Jagd- und Lustschloss Monrepos bauen.

Gemeinde Segendorf

Segendorf gehörte zum Kirchspielgericht Bieber und bis 1806 zur Grafschaft Wied bzw. seit 1784 zum Fürstentum Wied-Neuwied. 1806 kam Segendorf zum Herzogtum Nassau und 1815 zum Königreich Preußen. Unter der preußischen Verwaltung wurde Segendorf eine Gemeinde im Standesherrlichen Kreis Neuwied, der zum Regierungsbezirk Koblenz und von 1822 an zur Rheinprovinz gehörte und von der Bürgermeisterei Heddesdorf (1927 umbenannt in Amt Heddesdorf) verwaltet wurde. Im Jahr 1910 wurden die Gemeinden Niederbieber und Segendorf zu einer politischen Gemeinde zusammengefasst.

Im Zuge der Mitte der 1960er Jahre begonnenen rheinland-pfälzischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurde durch das „Achte Landesgesetz über die Verwaltungsvereinfachung im Lande Rheinland-Pfalz“ vom 28. Juli 1970, das am 7. November 1970 in Kraft trat, die heutige Stadt Neuwied neu gebildet. Mit Beschluss des Stadtrats Neuwied vom 22. Januar 1971 wurde Segendorf ein Stadtteil, welcher durch einen Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher vertreten wird.

Quelle: wikipedia

 

Ortsgeschichte

Woher kommt der Name Segendorf ? Nach einer Annahme von Edmund von Weius ist im ersten Teil des Namens das althochdeutsche “segen” oder “seggen” enthalten, welches sich zum neuhochdeutschen “sagen” weiterentwickelt hat. Die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes ist “entscheiden”, “anordnen”, “befehlen”. In den Senaten der alten Reichsstädte kannte man einen”Stimmmeister”, der bei einer Stimmengleichheit den Ausschlag gab. Dieser hieß in Westfalen “Segenister”. In dieser Zusammensetzung hat sich “seggen” noch in der alten Bedeutung von “entscheiden” erhalten. Im spanischen gibt es das wahrscheinlich auf westgotischen Einfluß zurückzuführende Wort “sahon”, welches soviel wie “Gerichtsdiener” oder “Henker” heißt. Demnach wäre Segendorf der Ort, wo gerichtliche Entscheidungen herbeigeführt wurden. Da die bei unseren Vorfahren an den heiligen Opferstätten geschah, so kann man Segendorf als Malstatt, Ding- oder Gerichtsort deuten. Quelle: Heimatblatt 1924/1925, S. 96
1218 Segendorf erscheint erstmalig in einer Urkunde vom 30. Januar 1218 mit dem wiedischen Burgmann “Rudeger von Sehterndorf” als Zeugen einer Schenkung des Burggrafen von Isenburg an das Kloster Rommersdorf. Quelle: Internetseite Neuwied
1226 Nodhausen: in diesem Jahr beurkundet erstmals Theoderich Graf von Wied Erzbischof von Trier in seinem Hof “Noithusen” die Befreiung des Rommersdorfer Klostergutes Roth bei Dierdorf von der Futterhaferabgabe Quelle: Stadtarchiv Neuwied, 11.05.1971
1289 In einem Pachtvertrag der Aleyde Witwe Sifrids von Gindirsdorf mit der Abtei Rommersdorf vom 10.02.1289 tritt ein “Henrich von Seichtindorf”, Schultheiß “in Wide”, als Zeuge auf. Quelle: Stadtarchiv Neuwied, 11.05.1971
1344 Nach einem im fürstlich wiedische Archiv befindlichen Revers vom 06.12.1344 soll nach dem Tode der Frau Alehd von Heltin das ihr durch ihren ersten Gatten zustehende halbe Fuder Wein zu Sehtindorf an Wied zurückfallen. Quelle: Heimatblatt 1924/1925, S. 96
1350 Graf Wilhelm zu Wied belehnt den Vogt Johan von Ludenstorf (Leutesdorf) mit 5 Mark Rente aus dem Hof zu Sechtendorf Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 124
1356 Segendorf zählt zum Kirchspielsgericht Niederbieber Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 124
1376 Der Ort heißt Sechtindorf Quelle: Heimatblatt 1924/1925, S. 96
1379 Hahnhof/Monrepos: in einem Ehevertrag des Grafen Wilhelm zu Wied Probst zu Aachen und seines Sohnes Gerlach Herrn zu Isenburg für deren Tochter bzw. Schwester Lysa mit Gerhard von Blankenheim vom 30.11.1379 tritt als Zeuge ein Johann “vom Hane” auf. (Unsicher ist ein für 1374 genannter Friedrich Sohn von Hane) Quelle: Stadtarchiv Neuwied, 11.05.1971
1417 Hahnhof: Am 01.05.1417 belehnt Graf Wilhelm zu Wied den Gerlach von Witzelbach mit dem Hof “uf dem Hane”.
1440 Der Ort heißt Sechtendorf Quelle: Heimatblatt 1924/1925, S. 96
1463 Der Ort heißt Seechtendorff Quelle: Heimatblatt 1924/1925, S. 96
1498 Der Ort heißt Sechtendorf Quelle: Heimatblatt 1924/1925, S. 96
1635 Verkauf des Hofes Nodhausen durch Hamann Bender an den trierischen Schultheißen Lothar Schmitz in Leutesdorf und dessen Ehefrau Ameleien für 1290 Gulden. Bender, Eigentümer des Hofes war in der Notzeit des 30-jährigen Krieges in Schulden geraten, weil er für einen anderen Bürgschaft geleistet hatte Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 123
1642 Verkauf des Hofes Nodhausen durch Schultheiß Schmitz an den wiedischen Landschultheiß Georg Knopeus und dessen Ehefrau Gertrud für 3000 Gulden Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 123
1648 Der Ort heißt Segendorf Quelle: Heimatblatt 1924/1925, S. 96
1732 Der Hof Nodhausen wird durch die Erbin an Ernst Anton von Sohler veräußert. Er war lastenfrei bis auf die Verpflichtung, jährlich zwei Malter Korn und zwei Ohm Wein dem Pfarrer in Heddesdorf zu liefern und einen Wagen für den Transport “deren mißthätern” zur Hinrichtung nach Neuwied zu stellen.

Im gleichen Jahr noch kaufte Graf Friedrich Wilhelm zu Wied den Hof für 4473 Taler sowie den unterhalb von Oberbieber gelegenen Eisenhammer für 660 Louisdor.

Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 123
1742 Graf Friedrich Alexander läßt in Nodhausen einen “Lustpark” mit Tiergarten anlegen. Ein kanarienvogelhaus in chinesischem Stil, ein “Lusthäuschen”, zwei kleinere Säle und ähnliche Bauten entstanden. Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 123
1757 Anlage des Jagdschlösschens Monrepos durch Friedrich Alexander zu Wied
1764 Monrepos: Baubeginn des beim Hahnhof gelegenen wiedischen Jagdschlosses Monrepos. Quelle: Stadtarchiv Neuwied, 11.05.1971
1797 Zerstörung der Anlagen in Nodhausen durch Kriegsvölker Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 123
1805 Die Gebäude des Hofes Nodhausen werden auf den Abbruch verkauft Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 123
1825 In dem wieder etwas gepflegteren Park von Nodhausen feierten Nuewieder Bürger wieder ihre geselligen Turner- und Schützenfeste Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 123
1837 Letzte bekannte Aufzeichnung eines seit Beginn des 19. Jahrhunderts anhängigen Prozesses um die damals so wichtige Schafweide in der “Laach”. Zwar war die Weide gemeinschaftlich und durfte bis Ende März beiderseits der Wied von beiden Gemeinden benutzt werden, doch hatte jede Gemeinde auf ihrer Seite den Vortrieb. War man sich auch wegen der Schafe noch einig, so kam es wegen der Pferde und des Rindviehs zum Streit. Pferde und Ochsen konnten das ganze Jahr dort weiden, doch die Segendorfer Kühe durften erst dann dort eingetrieben werden, wenn auch die Niederbieberer nach Jakobitag dort weideten, so behaupteten die Betroffenen aus Niederbieber.

Eine Entscheidung ist nicht zu finden, wahrscheinlich hat man sich später geeinigt.

Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 125
1874/1875 Errichtung des neuen Schulgebäudes in Segendorf. An gleicher Stelle stand auch vorher das Schulgebäude: ein Fachwerkhaus mit einem Klassenzimmer Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 99
1887 Die Segendorfer Schule wurde zweiklassig mit 122 Kindern Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 100
1896 Die Segendorfer Schule wurde dreiklassig mit 155 Kindern, später war sie zeitweilig vierklassig. Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 100
1907 230 Kinder besuchen die Schule Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 100
1911 Segendorf und Niederbieber werden zu einer politischen Gemeinde vereinigt, die den Doppelnamen Niederbieber-Segendorf trägt. Die jahrhundertealte Grenze – die Wied – war damit aufgehoben. Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 126
1914 Am 1. März, einige Jahre nach der Zusammenlegung der beiden Orte Niederbieber und Segendorf zu einer Gemeinde, sollten auch die beiden Schulen zusammengefaßt werden. Aus diesem Grund kam es jedoch in Segendorf zu einem Schulstreik mit dem Ergebnis, daß die Schule am Ort verblieb. Zwar gehörte sie organisatorisch zu Niederbieber, hatte also keine eigene Schulleitung, wurde aber 1930 wieder selbständig. Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 100
1920-1940 In den 20er und 30er Jahren wurden ganze Ortsteile errichtet: die Fluraustraße, der Tonnenberg, die untere Nodhausener Straße usw. Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 126
1948 Die Brücke beim ehemaligen Amtsgebäude wurde als erste Brücke nach dem Krieg wieder in Betrieb genommen Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 126
1963 Der 17. Juli ist der letzte Schultag in der Segendorfer Schule. Nach den Sommerferien zogen Kinder und Lehrer in das neue Schulgebäude an der Wied um. Quelle: 150 Jahre Amt Niederbieber-Segendorf, S. 100